Die Bestimmungen zur Verlängerung von Tarifverträgen sind im Arbeitsverfassungsgesetz (ArbVG) verankert, das sich auf die Privatwirtschaft bezieht. Da der öffentliche Sektor in Österreich (AT0005221F) vom Recht auf Verhandlungen ausgeschlossen ist, besteht dort kein Bedarf an Verlängerungsverfahren. Das Gesetz enthält unterschiedliche Verfahren für die Ausweitung von Tarifverträgen auf Arbeitnehmer einerseits und auf Arbeitgeber andererseits. Die Teilzeitarbeit in Österreich ist sehr weit verbreitet und hat in den letzten zehn Jahren zugenommen und erreichte 2017 einen Höchststand von 28,2 % der Gesamtbeschäftigung und 2018 einen leichten Rückgang auf 27,6 %. Dies ist auf den Anstieg der männlichen und weiblichen Teilzeitarbeit zurückzuführen. Fast jede zweite Erwerbstätige im Jahr 2018 war Teilzeitbeschäftigter, was Österreich zu einem der Länder mit den höchsten Teilzeitquoten von Frauen in der EU macht, wo der Anteil der Frauen an der Teilzeitbeschäftigung bei 30,8 % lag. Der für die Beschäftigten des öffentlichen Bediensteten bereinigte Tariferstattungssatzes in Österreich wird auf über 95 % geschätzt. Dies ist – im internationalen Vergleich – vor allem darauf zurückzuführen, dass fast alle Vereinbarungen von Untereinheiten der WKO abgeschlossen werden, deren Mitgliedschaft obligatorisch ist. In Österreich besteht eine klare Aufteilung der Verantwortlichkeiten zwischen tariflichen Vereinbarungen auf Branchenebene und betriebsbetrieblichen Betriebsverträgen.

Während der Kernbereich der Festsetzung der Lohnsätze und der Höchstarbeitszeit im wesentlichen den Tarifparteien vorbehalten ist, beschränkt sich die Regelungskompetenz der Vertragsparteien fast ausnahmslos auf “soziale Angelegenheiten”, wie die Einführung computergestützter Personalinformationssysteme, die Festlegung der Start- und Endzeiten für die täglichen Arbeitszeiten oder die Terminierung von Pausen. Die einzigen lohnbezogenen Angelegenheiten, die in den regelungsrechtlichen Geltungsbereich von Betriebsverträgen fallen können, sind Lohnansprüche für die Teilnahme an Betriebsversammlungen , Gewinnbeteiligungssysteme, betriebliche Altersversorgungssysteme und dergleichen. Mit dieser Beschränkung soll sichergestellt werden, dass die Tarifvertragsparteien im System der Beschäftigungsregelung insgesamt Vorrang haben. Bei den in einem Tarifvertrag festgelegten Delegierungsklauseln werden einige Verhandlungskapazitäten in Bezug auf Arbeitszeit und – bis zu einem gewissen Grad – auch an die betroffenen Parteien auf Unternehmensebene delegiert, jedoch ausschließlich im Rahmen der sektoralen Tarifverträge. Schließlich gibt es eine wichtige Institution, die als “funktionales Äquivalent” zur Ausweitung von Tarifverträgen arbeitet: das Prinzip der obligatorischen Mitgliedschaft in der Wirtschaftskammer und ihrer Untereinheiten. Nach dem Gesetz sind alle Unternehmen, deren Tätigkeit in den Bereich des repräsentationswesens der Kammer fällt, verpflichtet, Mitglied der Kammer und ihrer Untereinheiten zu sein.