AGV Nordostchemie hat vor einem Jahr die Herausforderungen für die chemische Industrie aufgezeigt. Seitdem haben die Arbeitgeber betont, dass Maßnahmen ergriffen werden müssen, um dem demografischen Wandel entgegenzuwirken und Arbeitsplätze in regionalen Chemieunternehmen attraktiver zu machen. Herr Rheinbay betonte jedoch auch, dass der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens die vorrangige Überlegung bleiben müsse. Am 2. November 2011, als er den Abschluss der jüngsten Vereinbarung ankündigte, sagte er, die neue Vereinbarung ermögliche es den Beschäftigten der chemischen Industrie, ihre Arbeitszeit in persönlich schwierigen Zeiten vorübergehend zu reduzieren. Der neue Fonds wird sicherstellen, dass sie in diesen Zeiträumen keinen großen Teil ihres Lohns verlieren, und dies könnte sie ermutigen, bei ihren Arbeitgebern zu bleiben, anstatt zurückzutreten oder in Rente zu gehen. Im November 2011 unterzeichneten nordostdeutsche Arbeitgebervertreter und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie einen Tarifvertrag, der sich den Herausforderungen einer alternden Belegschaft stellt. Die Vereinbarung betrifft rund 30.000 Arbeitnehmer und verbessert die Arbeitsbedingungen für bestimmte Gruppen von Arbeitnehmern. Eine Umfrage des Bundesverbandes der Chemie-Arbeitgeberverbände zeigt, dass solche Maßnahmen auch in anderen Regionen eine große Rolle bei Chemieunternehmen spielen können. Der neue Tarifvertrag bietet Anreize für jüngere Arbeitnehmer, in Ostdeutschland zu arbeiten, und für ältere Mitarbeiter, um ihren Arbeitsplatz zu bleiben. Georg Rheinbay, Chefunterhändler der Arbeitgeber, sagte in einer Presseerklärung, der neue Tarifvertrag ebne den Weg für Maßnahmen, die die Arbeitnehmer vorübergehend von den Belastungen bestimmter Phasen ihres Arbeitslebens entlasten. Der neu geschlossene Vertrag, von dem rund 30.000 Mitarbeiter betroffen sind, besteht aus mehreren Elementen: Am 2. November 2011 veröffentlichte die IG BCE auch ihre Ansichten zu der neuen Vereinbarung.

Ihr Chefunterhändler Peter Hausmann begrüßte dies und sagte, dass sein altersorientiertes Arbeitszeitmodell andere Branchen beeinflussen könnte. Erstmals seien Arbeitszeitklauseln in einem Tarifvertrag auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Arbeitnehmer in unterschiedlichen Lebensphasen ausgerichtet, sagte er. Dies würde dazu beitragen, die Belastung von Schichtarbeitern, Eltern und Arbeitnehmern mit kranken oder behinderten Angehörigen zu verringern. Petra Reinbold-Knape, Vorsitzende der Nordostdeutschen Niederlassung der IG BCE, betonte, dass die neue Vereinbarung wichtig sei, wenn die Mitarbeiter bis zum Rentenalter gesund arbeiten sollten. Die kürzlich veröffentlichten BAVC-Zahlen zeigen, dass 76 % der befragten Unternehmen ihre Mittel auf der Grundlage des entsprechenden Tarifvertrags in Pensionspläne investierten (davon 52 % der Beschäftigten). Weitere 25 % der Unternehmen entschieden sich für langfristige Arbeitszeitkonten (davon 57 % der Beschäftigten). Weitere 8 % entfielen auf Invaliditätsrenten (davon 5 % der Arbeitnehmer). Schließlich investierten 7 % in Altersteilzeitregelungen (davon 8 % der Arbeitnehmer).

Eine alternde Erwerbsbevölkerung und ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften in der chemischen Industrie bereiten den Sozialpartnern in diesem Sektor große Sorgen. Eine Unternehmensumfrage des Bundesverbandes der Chemischen Arbeitgeberverbände (BAVC) zeigt, dass bereits Maßnahmen zur Fachkräftebindung ergriffen werden. Die Sozialpartner in Nordostdeutschland haben sogar einen neuen Tarifvertrag abgeschlossen, der sich speziell mit dem demografischen Wandel befasst. Der Geschäftsführer des AGV Nordostchemie, Paul Kriegelsteiner, sagte der Financial Times Deutschland am 4. November 2011, dass 70 % der Beschäftigten von Chemieunternehmen zwischen 44 und 59 Jahre alt seien und damit in die Alters- oder Rentenklasse einsagen.